Marokko – Land der Kontraste

Wir schreiben das Jahr 2014. Drei neugierige Reisende brechen auf um ein Land zu entdecken, dass sich im Nordwesten Afrikas befindet.
Es ist sowohl am Mittelmeer als auch am Atlantik beheimatet. Von hohen Bergen und tiefen Schluchten durchzogen. Wüstenlandschaften, Steppen und Oasen. Beeinflusst durch Portugal, Spanien und nicht zuletzt Frankreich, die es 1912 kolonialisierten. 1956 gelang die Unabhängigkeit. Der Einfluss reichte aus und ist auch heute noch zu spüren.
Berber und Arababer, Beduinen und Berg-Nomaden.
Gesprochen wird marokkanisches arabisch und mindestens fünf verschiedene Berbersprachen. Erste Bildungs- und Fremdsprache ist französisch. Das alleine ist schon Herausforderung genug, wenn man (wie ich) ausschließlich deutsch und englisch spricht. Hände und Füße unterstützen!

Unser vierwöchiger Trip begann also und wir wollten möglichst viel von diesem kulturreichen Flecken Erde kennenlernen.

 

Rabat

Von München ging’s mit der AirFrance nach Paris und keine drei Stunden später befanden wir uns in Rabat.
Die Hauptstadt war die erste von vier Königstädten und gleichzeitig Startpunkt einer Rundreise die uns im Uhrzeigersinn durch das Land führen sollte.

 

Meknes

Gleich am Anfang unserer Reise sind die Königsstädte noch geballt aneinander. Meknes war somit unsere zweite Stadt in der sich ein Palast befindet den man als Tourist nicht betreten darf. Sie ist am Fuße des Mittleren Atlas gelegen.
Durch die liebliche Stimme unseres lokal vertretenen Muezzins, der täglich um 05:00 Uhr zum Morgengebet rief, konnten wir sicher gehen auch keine Minute zu viel in den langweiligen Federn zu verweilen.

Ein Riad ist im übrigen ein typischer marokkanischer Innenhof. Platz ist in den Innenstädten und Medinas (Altstädten) Mangelware. Wer da seine Terrasse vor das Haus baut macht sich unter den Nachbarn jedenfalls keine Freunde!
Besser ist hier das Haus um die Terrasse herum zu bauen. Nicht selten sind die prächtigen Riads mit Blumen und Brunnen verziert. Genau die richtigen Voraussetzungen um in ein spannendes Buch aus dem Orient einzutauchen also.

 

Moulay Idriss

… ist der heiligste Ort Marokkos. Muslime die sieben Mal an diesen Wallfahrtsort pilgern, dürfen sich den weiten Weg nach Mekka sparen!
Bis vor wenigen Jahren hätten wir „Ungläubigen“ diese Stadt nicht zu Gesicht bekommen. Inzwischen bleibt uns ausschließlich die Übernachtung und ein Besuch der Grabstätte vorenthalten.
Ein Blick auf den am Berg gelegenen, imposanten Stadtkern war den Zwischenstopp trotzdem wert.

Fes

Unsere dritte Königstadt war mit Abstand die, der schönsten Medina.
Klar, im Grunde ist jede Medina ähnlich, aber in Fes ziehen sich die engen Gassen der Souks (Märkte) wie ein Labyrinth durch die Altstadt. Die Händler sind nicht zu aufdringlich und die Preise sind fair.
Bekannt ist Fes außerdem für seine Lederwaren.

Chemikalien? Nein Danke!

Der Anblick des Gerberviertels ist schwer beeindruckend. Der erhöhte Kaliumbedarf zum „Weichmachen“ des Leders wird hier noch durch natürliche Zutaten wie Taubenkot und Rinderurin abgedeckt. Die Beschreibung des Gestanks der sich überall breit macht, möchte ich euch an dieser Stelle ersparen. Die Arbeitsbedingungen der Gerber wären auch so eine Steilvorlage für Verhandlungen zukünftiger Tarifverträge deutscher Gewerkschafter.

 

Mittlerer Atlas

Inmitten einer Obstplantage auf ca. 1400m ist ein Campingplatz gelegen an dem wir unsere Zelte aufschlugen. Hat der Platz selbst mit seinen Apfelbäumen eher noch an Südtirol anstatt den Mittleren Atlas erinnert, änderte sich die Landschaft schon ein paar Kilometer weiter enorm.

Als Tagesausflug sind wir zu einem einfachen Bergedorf bei „Ain Leuh“ aufgebrochen. Hinauf zu den „Sources de I’Oum-er-Rbia“ gewandert. Der Wasserfall bildet die Quelle zum gleichnamigen wasserreichsten Fluss Marokkos.

 

Ziz-Schlucht

Weiter ging es Richtung Meski durch die Ziz-Schlucht. Die Schlucht selbst, wie der Name schon sagt, beheimatet den Fluss „Ziz“, der südöstlich in die Sahara fließt. Vom Bild her hätte man meinen können sich mitten in Arizona am Fuße des Grand Canyon zu befinden.
Das Flussbett ist gesäumt von Oasenheinen und grünen Feldern an denen Bauern Obst und Gemüse anbauen.

An einer dieser Oasen, der „Blauen Quelle von Meski“, haben wir unsere Zelte aufgeschlagen. Die Quelle selbst wird von den Marokkanern im näheren Umkreis als öffentliches Schwimmbad benutzt. An den Wochenenden ist sie deshalb sehr überlaufen.
Da die sanitären Anlagen dem Ansturm der marokkanischen Meute nicht gewachsen sind, haben wir von einem Bad in der Oase abgesehen.

 

Erg Chebbi – Die Sahara

Schon als Kind träumte ich davon einmal im Leben die Sahara mit einem Kamel zu durchqueren. Nur 20% der Sahara ist übrigens durch Sand bedeckt.
Klar kann man die größte Wüste der Welt nicht einfach mal mit einem Kamel durchqueren!
Eine Knappe Woche haben wir in der Erg Chebbi verbracht. Dieser Saharaausläufer mit Dünen von teilweise über 300m Höhe, liegt im Südosten des Landes. Direkt an der algerischen Grenze gelegen bildet sie das größte Sanddünengebiet Marokkos.
Die Erg Chebbi bildete auch die Kulisse für den Film Sahara der u.a. mit Matthew McConaughey und Penelope Cruz hier gedreht wurde.
Mein absolutes Highlight dieser Reise war also ein viertägiges Kameltrekking durch eben diesen Erg. Übernachtung unter freiem Sternenhimmel mit inbegriffen.

Eine Nacht haben wir bei einer Nomadenfamilie verbracht und bekamen so die Möglichkeit uns selbst einen Einblick von dem einfachen Leben dieser „Wandernden Bevölkerung“ zu verschaffen.

Büchertipp: „Tuareg“ von Alberto Vázquez-Figueroa
–> Hab ich in den Dünen quasi verschlungen!

 

Todra- und Dadesschlucht

Diese zwei eindrucksvollen Schluchten befinden sich im Hohen Atlas.
Auf dem Weg dorthin haben wir in einem Vorort die Bekanntschaft mit einer marokkanischen Familie rund um den „Prinzen aus Zamunda“ gemacht die uns noch lange in Erinnerung bleiben wird.

 

Marrakech

Unsere vierte und letzte Königstadt. Der orientalische Markt war vor allem Abends eine richtige Schau.
Von Schlangenbeschwörern bis zu Tänzer- und Trommelgruppen war hier wirklich alles vertreten.
Tagsüber war die Hitze der Stadt fast unerträglich und die Temperaturen kletterten teilweise bis auf 43°C. Die Auswahl an verschiedenen Gewürzen und Feinkostwaren war enorm.
Dennoch wurde die Stadt ihrem Ruf als Eingangstor Marokkos gerecht. Nirgendwo anders haben wir so viele Pauschaltouristen getroffen. Das hat sich vor allem in der Preisentwicklung und der Aggresivität der Händler niedergeschlagen.

 

Djebel Toubkal

Gestärkt mit Datteln und Nüssen verließen wir Marrakech um uns tiefer in den Hohen Atlas zu begeben.
Mit 4167m ü.NN. ist der Djebel Toubkal der höchste Berg Nordafrikas. Als leidenschaftliche Bergsteiger ist es eine Selbstverständlichkeit, dass wir den probieren 🙂
Anders als die organisierten Expeditionen wollten wir den Berg aber „by-fair-means“ besteigen.
Das heisst wir haben unsere komplette Verpflegung und Ausrüstung selbst auf den Berg und wieder runtergetragen anstatt Maultiere zu verwenden oder in einer der Hütten zu übernachten und zu speisen.

Mit ca. 18kg Marschgepäck sind wir also aufgebrochen um an der Toubkalhütte auf 3200m unsere Zelte aufzuschlagen. Den restlichen Nachmittag haben wir zur Höhenakklimatisierung verwendet.
Am nächsten Morgen um 06:15 ging’s dann los und knapp 2h später standen wir auf dem Gipfel. Die Aussicht auf das Atlasgebirge und die umliegende Steppenlandschaft war atemberaubend.

 

Sidi Kaoki

Die Kombination aus Bergen und Meer hat schon immer ihren eigenen Charme und wo sonst kann man einen 4000er besteigen und 24h später auf den Wellen des Atlantiks reiten?

 

Casablanca

Nirgendwo sonst in Marokko ist der Kontrast zwischen Arm und Reich größer.
Die Moschee Hassan II. Nach Mekka ist sie das zweitgrößte muslimische Gotteshaus der Welt. Das Minarett steht mit 200m Höhe sogar auf Platz 1 der „Moscheencharts“!
Der Bau wurde 1993 fertiggestellt und hat fas 1 Mrd. USD an marokkanischen Steuergeldern und Spenden verschluckt. Direkt davor ein „Bidonville“. Ein marokkanisches Armenviertel aus Wellblech und Planen.

 

Temara

Etwa 30km südlich von Rabat liegt das kleine Touristenörtchen Tamara mit drei Stränden die fast ausschließlich von wohlhabenden marokkanischen Touristen besucht wurden… Und uns!
Hier haben wir noch drei entspannte Tage verbracht bevor wir wieder zurück in die Heimat gereist sind.

Temara Beach

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